Ökumenischer Bußgang

der Frauen und Männer

Die Geschichte der Bußgänge überhaupt reicht zurück bis ins frühe Mittelalter, das bereits Buß- und Bittgänge bzw.
–prozessionen kannte.

Der berühmteste Bußgang der Geschichte, der Gang nach Canossa, war wohl gar kein Bußgang, sondern politische Notwendigkeit und politisches Kalkül.

Der Weg nach Santiago de Compostela in Nordspanien war früher eine Bußwallfahrt, z.B. zur Strafe für Gewaltverbrechen. Der Weg war lang und gefährlich. Gleichzeitig wurde der Bußgang aber auch dem Zugriff und der Vergeltung von Angehörigen des Geschädigten entzogen.

In der Zeit des Kirchenkampfes des 19. Jahrhunderts, aber auch in der Zeit des Nationalsozialismus handelte es vornehmlich um religiöse und kirchenpolitische Bekenntnisgänge, an denen Einzelne, insbesondere aber Mitglieder katholischer Verbände wie Kolping und KAB teilnahmen.

Waren früher die Bußgänge nach Geschlechtern getrennt, so nehmen heute bewusst Männer und Frauen teil. Darüber hinaus gehören die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den unterschiedlichen christlichen Konfessionen an.

Was oder für was, weswegen büßen wir, als Einzelne und als Gruppe?

Da es sich um Veranstaltungen der christlichen Kirchen handelt, können sich ihre Bußgänge immer gut an den Schuldbekenntnissen der evangelischen und katholischen Kirche (Stuttgarter Schulderklärung vom Okt. 1945, Schuldbekenntnis und Vergebungsbitte von Papst Johannes Paul II vom März 2000. Siehe Glastafel 8 der Lesewand1 am Kath. Stadthaus) sowie an der Christlichen Soziallehre2 orientieren.

Haben die Bußgänge heute aber auch noch Bekenntnischarakter?
Viele sind der Überzeugung, dass sie das haben sollten. Sie verweisen auf 2.Tim 2 (Tritt für das Wort Gottes ein, ob gelegen oder ungelegen.) oder auf 1. Petr 3,15 (Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt.)

Wer so denkt, sollte sich aber auch bewusst sein, dass dies mehr erfordert als Mut zum Bekenntnis. Es setzt vielmehr - wie Karl Rahner sagte - voraus, dass ich die Heilige Schrift und ihre Osterbotschaft wirklich kenne, dass ich mich damit intellektuell und spirituell auseinander gesetzt habe, nicht nur als Kind, sondern als erwachsener (gefirmter bzw. konfirmierter) Christ.

Viele Heilige und Märtyrer älterer und jüngerer Zeit, besonders auch die im Ruhrgebiet so verehrte
Hl. Barbara kann uns darin ein Vorbild sein. Sie hatten sich mit der christlichen Botschaft so sehr auseinander gesetzt, dass sie denen, die sie davon abbringen wollten, Rede und Antwort stehen konnte.

Im Gebiet des heutigen Bistums Essen hat es den ersten „Bußgang der Mannesorganisationen“ 1928 in Oberhausen gegeben.
Nach dem Krieg gab es diese Bußgänge auch in Bottrop.
Seit den 90er Jahren ist ein „ökumenischer Bußgang der Männer und Frauen“ daraus geworden.
Die ACK Bottrop (Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen) richtet zusammen mit verschiedenen Organisationen wie Kolping, KAB, Ev. Handwerkerverein, kfd – den Bußgang thematisch aus.
Seit einigen Jahren ist der Beginn in der Kirche der Altkatholischen Gemeinde an der Scharnhölzstraße, geht dann zum Friedenskreuz am Kreuzkamp oder zum Berliner Platz, weiter zur ev. Martinskirche und dann zur Kirche
St. Cyriakus – oder umgekehrt.
Nach dem Bußgang besteht die Möglichkeit zu Gespräch und Begegnung in einem Gemeindesaal – der nach Absprache jedes Jahr wechselt.

Gerhard Reinhold
Margit Jung
Matthias Streicher

Katholische Stadtkirche Bottrop, Stadtkatholikenrat Bottrop,

Dekanat Bottrop

Prosperstraße 32 

46236 Bottrop